Ein bischen gegen Deutschland

„Cut the gold – die einzigen Farben sind schwarz und rot!!“ – Nachttanzdemo gegen die Nation (2. Oktobers, 19 Uhr, Darmstadt Hbf) – organisiert von der „Roßdörfer Antifa“.

Von einer Antifa die sich nach einem hessischen Kuhkaff benennt, kann nicht allzu viel erwartet werden.

Es mag erfreulich sein, dass den Deutschen an ihrem Jubeltag, wenn sie ihre Einheit und damit die Aufhebung der Schwächung Deutschlands als Folge des alliierten Sieges feiern, das Verschwinden der sichtbaren Folgen von Nationalsozialismus und Holocaust beklatschen, etwas Hass entgegengesetzt werden soll. Doch die scharfe Kritik an deutschen Zuständen, die der schmissige Titel versprechen mag bleibt aus. Zugunsten einer „linken Massenmobilisierung“ scheint man sich lieber nicht festlegen zu wollen, und beschränkt sich auf ein paar Stichpunkte. Der magere Aufruf schließt mit:

„Kein Bock haben wir auf Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus und Sexismus. Auch Nationalfahnen und Parteifahnen sind an diesem Tag mehr als fehl am Platz.“

Bescheuerte Auflagen kommen mal nicht von den Cops, sondern von den aufrufenden antiautoriären Dorfantifas. Deutscher Nationalismus war früher wie heute mit völkischem Denken, Antisemitismus und Antiamerikanismus verwoben. Israel ist nach nach dem Holocaust in einer kapitalistisch organisierten Welt, die einzig richtige Konsequenz und verdient die unbedingte Solidarität.

Welche Fahne in erster Linie gemeint ist, wenn deutsche Linke das Tragen von Nationalfahnen untersagen, ist nicht schwer zu erraten: die Fahne des jüdischen Staates.

Antifas, die im geläuterten Deutschland in dem sich Antisemitismus, oft als „Israelkritik“ getarnt, immer wieder bahn bricht, ganz besonders an diesem Tag das Tragen von Israelfahnen untersagen, blamieren sich an ihren eigenen Ansprüchen. Die Aussage man „habe keinen Bock auf Antisemitismus“ verkommt zu bloßen Phrase. Die Demonstration verliert damit jedes kritische Potential.

Auch wenn unterstellt wird, dass die OrganisatorInnen selbst keine Israel-Hasser sind und sei es, dass dieses Fahnenverbot aus einem Bedürfnis nach Harmonie im linken Block in den Aufruf übernommen wurde, so macht es die Beschissenheit der Situation nicht besser. Denn mit dem expliziten Nationalfahnenverbot (a.k.a. Israelfahnenverbot), geben sie diejenigen die sich dem albernen Verbot widersetzen zum Abschuss frei. Ein Konflikt der in jedem Fall ausgetragen werden müsste – denn wer will schon mit Israelhassern und anderen Arschlöchern im Block laufen, – wird so zugunsten von mehr Mobilisierungsmasse (d.h. ein paar Trottel mehr) beschwichtigt. Wozu sowas führt, hat sich schon 2005 auf einer Demo gezeigt, als Israelfahnenträger aus der Demo geprügelt wurden.

Im gemäßigt linksradikalen Jargon findet man letztlich aber ja auch nur „fast alles scheiße in Deutschland“.

In dem Zusammenhang ist auch das Bild bezeichnend, das zur Illustration des Aufrufs auf der Website von „Uffbasse“ veröffentlicht wurde:
Deutschland als gigantischer, kackender Roboter der scheinbar von Alliierten ferngesteuert alles Böse bringt und die kleinen, solidarischen Opfer-Linken bedroht.

Emanzipation ist nur im offenen Gegensatz zu Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und nationaler Identität denkbar. Alles was dahinter zurückfällt ist scheiße.

Wir sind gespannt was die „Roßdörfer Antifa“ noch so von sich geben wird, bis die Mitglieder den Durchlauferhitzer „Antifa“ überstanden haben. Wir warten gespannt bis die ersten Roßdörfer ihr obligatorisches Soziologiestudium aufnehmen und versuchen ihre zukünftigen Demoaufrufe mit Zitaten von Marx und Adorno zu schmücken.